Traumatherapie & EMDR
Belastende oder überwältigende Erfahrungen können tiefe Spuren hinterlassen – manchmal lange über das eigentliche Ereignis hinaus. Wenn Erlebtes nicht ausreichend verarbeitet werden konnte, kann es zu anhaltenden psychischen oder körperlichen Beschwerden kommen. Traumatherapie bietet einen sicheren und strukturierten Rahmen, um solche Erfahrungen behutsam zu verarbeiten und wieder mehr Stabilität, Selbstwirksamkeit und innere Ruhe zu erlangen.
In meiner Praxis arbeite ich traumatherapeutisch auf verhaltenstherapeutischer Grundlage und setze unter anderem die wissenschaftlich gut untersuchte Methode EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ein.
Was ist ein psychisches Trauma?
Ein psychisches Trauma entsteht, wenn eine Situation als existenziell bedrohlich oder überwältigend erlebt wird und die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten nicht ausreichen. Dies kann sowohl bei einmaligen Ereignissen als auch bei länger andauernden Belastungen der Fall sein.
Mögliche traumatische Erfahrungen sind zum Beispiel:
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Unfälle, medizinische Eingriffe, Naturkatastrophen
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Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung
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Bedrohliche oder lebensgefährliche Situationen
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Verluste, Trennungen oder plötzliche Veränderungen
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Chronische emotionale Überforderung, insbesondere in der Kindheit
Nicht das Ereignis selbst, sondern die individuelle Verarbeitung ist entscheidend. Deshalb reagieren Menschen sehr unterschiedlich auf ähnliche Erfahrungen.
Mögliche Folgen traumatischer Erfahrungen
Unverarbeitete Traumata können sich auf vielfältige Weise äußern, zum Beispiel durch:
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Wiedererleben (Flashbacks, belastende Erinnerungen, Albträume)
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Anhaltende innere Anspannung oder Übererregung
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Vermeidungsverhalten oder emotionale Taubheit
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Angst, depressive Symptome oder Schuld- und Schamgefühle
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Konzentrations- und Schlafstörungen
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Körperliche Beschwerden ohne klare organische Ursache
Traumatherapie setzt hier an, um die Verarbeitung zu ermöglichen und das Nervensystem nachhaltig zu entlasten.
Traumatherapeutischer Ansatz
Traumatherapie bedeutet mehr als die Arbeit an Erinnerungen. Ein zentraler Bestandteil ist die Stabilisierung und der Aufbau von innerer Sicherheit.
Meine Arbeit umfasst unter anderem:
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Psychoedukation über Trauma und Stressreaktionen
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Ressourcenarbeit und Stabilisierungsübungen
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Förderung von Selbstregulation und Körperwahrnehmung
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Arbeit an belastenden Erinnerungen (z. B. mit EMDR)
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Integration der Erfahrungen in die eigene Lebensgeschichte
Der therapeutische Prozess erfolgt stets transparent, strukturiert und in Ihrem Tempo. Sie behalten jederzeit die Kontrolle.
Ablauf der Traumatherapie
Erstgespräch
Im Erstgespräch klären wir Ihr Anliegen, Ihre Symptome und Ihre bisherigen Erfahrungen. Zudem erhalten Sie Informationen über Traumatherapie und EMDR. Gemeinsam entscheiden wir, ob dieser Ansatz für Sie geeignet ist.
Stabilisierungsphase
Vor der eigentlichen Traumabearbeitung liegt der Fokus auf Sicherheit, Stabilität und dem Aufbau innerer Ressourcen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Verarbeitung.
Traumabearbeitung
Erst wenn ausreichend Stabilität vorhanden ist, beginnt – falls sinnvoll – die Bearbeitung belastender Erinnerungen, beispielsweise mit EMDR. Die Sitzungen werden sorgfältig vorbereitet und nachbesprochen.
Integration und Abschluss
Zum Abschluss steht die Integration des Erlebten in den Alltag im Vordergrund. Ziel ist es, wieder mehr Lebensqualität, innere Ruhe und Handlungsspielraum zu gewinnen.
Ziel der Traumatherapie
Ziel ist es nicht, Vergangenes „ungeschehen“ zu machen, sondern die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen nachhaltig zu verändern. Traumatherapie unterstützt dabei, wieder mehr Sicherheit im eigenen Erleben zu finden, sich selbst besser zu verstehen und das Leben im Hier und Jetzt freier zu gestalten.
Was bedeutet EMDR?
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung traumatischer Belastungen. Die Methode geht davon aus, dass traumatische Erinnerungen oft unvollständig verarbeitet im Nervensystem „blockiert“ bleiben.
Während einer EMDR-Sitzung wird die belastende Erinnerung kurzzeitig aktiviert, während gleichzeitig eine bilaterale Stimulation erfolgt – meist durch geführte Augenbewegungen, alternativ durch taktile oder auditive Reize. Diese wechselseitige Stimulation unterstützt das Gehirn dabei, die Erinnerung neu zu verarbeiten und in das autobiografische Gedächtnis zu integrieren.
Die Folge ist, dass:
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die emotionale Belastung deutlich abnimmt
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die Erinnerung ihren überwältigenden Charakter verliert
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neue, hilfreichere Bewertungen möglich werden
Die Erinnerung bleibt bestehen, wird jedoch als vergangen erlebt und löst keine intensive Stressreaktion mehr aus.
Bei welchen Themen wird EMDR verwendet?
- Anpassungsstörungen
- Posttraumatische Belastungsstörungen
- komplizierte Trauerreaktionen
- traumabedingte Angststörungen
- chronische Schmerzstörungen (speziell bei hoher psychischer Beteiligung)
- Depressionen
- chronische Posttraumatische Belastungsstörung
Was passiert bei Eye Movement Desensitization and Reprocessing?
EMDR läuft in aufeinanderfolgenden Phasen ab. Zu Beginn einer jeden Behandlung steht, wie bei jeder Form der Behandlung der Aufbau der Beziehung, die Schilderung des Themas und der Belastungen im Alltag. Es wird eruiert, ob die Behandlung mit EMDR angezeigt ist, oder ob es Kontraindikationen gibt. Gegebenenfalls werden psychologische Testverfahren eingesetzt, um ein detaillierteres Bild vom Schweregrad der Beeinträchtigung zu bekommen. Außerdem wird in dieser Phase bereits etwas Struktur in die Belastungen gebracht und etwaige Zusammenhänge mit früheren Erlebnissen beleuchtet, so vorhanden. Auch den eigenen ressourcenhaften Erlebnissen wird Aufmerksamkeit geschenkt, um diese zur Stabilisierung einsetzen zu können.
Besonders wichtig ist im Verlauf der Behandlung auch die Aufklärung über EMDR. Es ist wichtig, das Vorgehen zu verstehen, das ist wesentlich für das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Kontrolle. Um dieses Gefühl zusätzlich zu stärken, werden Techniken vermittelt, die beispielsweise zur Distanzierung von Belastungen dienen oder wieder Kontakt mit eigenen hilfreichen Fähigkeiten zu erleben – sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe. Ein ganz wesentlicher Punkt ist auch die Stabilität im Außen, das heißt Sicherheit auf allen Ebenen - körperlich, finanziell, sozial, etc. und eventuell Unterstützung bei der Wiederherstellung dieser Sicherheit. Diese stellt die Basis da, um sich mit den traumatisierenden Erlebnissen näher zu beschäftigen.
Bevor mit der Bilateralen Stimulation gearbeitet wird, wird getestet, welche Art als angenehm empfunden wird. Ich verwende für die BLS während des In-Kontakt-Gehens mit belastendem Material Geräte wie einen Lichtbalken oder Pulsatoren. Hiermit ist gerade auch seit Corona ein sicheres Arbeiten unter Wahrung des empfohlenen Abstandes möglich.
